Bei anhaltender Winterkälte können sich am St.-Fridli-Wasserfall ein Eisstalagmit und ein Eisstalaktit bilden und schliesslich zusammenwachsen. Der Siggbach fliesst dort über eine gewölbte Felswand; der Wasserfall stürzt rund zwanzig Meter in die Tiefe. Er ist auch über den Nunninger-Berg erreichbar. Im Bezirk Thierstein stehen solche Naturphänomene neben Ruinen, Dorfmuseen und Wanderwegen. Der Bezirk liegt im Kanton Solothurn und gehört zum Schwarzbubenland in der Metropolregion Basel; Hauptort ist Breitenbach. Die Höhenlage reicht von 326 bis 1205 Metern über Meer.
Ruinen, Klostergeschichte und Handwerk
Die Ruine Neu-Thierstein besteht aus einem imposanten Wohnturm mit Nebenbauten. An der Anlage sind ausserdem schwache Spuren einer Vorburg und eines älteren Zugangs erkennbar. Öffentlich zugänglich ist sie jeweils am letzten Sonntag der Monate Juni bis Oktober. Führungen können bei der Schlosskommission oder beim Schloss-Schryber gebucht werden; prüfen Sie vor Ihrem Besuch die aktuellen Buchungsmodalitäten. Vom nächsten öffentlichen Parkplatz oder von der nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs ist die Ruine in rund 15 Minuten zu Fuss erreichbar. Je nach Wegbedingungen kann die Gehzeit variieren.
Die Geschichte von Schloss Thierstein in Büsserach lässt sich über mehrere Jahrhunderte verfolgen: Um 1100 gründeten die Grafen von Saugern-Pfeffingen die Anlage, um 1300 wurde sie unter der Leitung der Grafen von Thierstein neu erbaut. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts 1522 übernahm Solothurn die Anlage. Im 19. Jahrhundert bewahrte private Initiative das Gemäuer vor weitgehender Zerstörung. Nachdem im März 1997 ein Teil der Ruine eingestürzt war, setzte die Gemeinde Büsserach sie wieder instand.
Auch die Ruine Gilgenberg verbindet Baugeschichte mit einer Aussicht auf die umliegenden Hügel. Ihr mächtiger Palas hat fünf Stockwerke; seit 1935 steht die Ruine unter kantonalem Altertümerschutz. In Beinwil gründete Abt Esso um das Jahr 1100 mit Mönchen aus dem Reformkloster Hirsau im Schwarzwald eine Niederlassung am Nordfuss des Passwangs. Die Kirche des Klosters Beinwil wird weiterhin von der römisch-katholischen Kirchgemeinde genutzt. Ein kleines Museum befindet sich im Dachgeschoss eines Kloster-Nebengebäudes.
Ein anderes Stück regionaler Geschichte begegnet Ihnen bei der Kalkbrennerei in den Stritteren bei Bärschwil. Der Ofen liegt im bewaldeten Tal des Stritterenbachs, direkt neben zwei 1983 angelegten Weihern, die unter Naturschutz stehen. Zusammen mit einer nicht restaurierten Anlage in Rickenbach zählt er zu den nur zwei erhaltenen Kalkbrennöfen im Kanton Solothurn. Die ausgegrabene Anlage ist begehbar; eine Informationstafel erläutert vor Ort Aufbau und Funktionsweise.
Museen und gelebte Traditionen
In Nunningen widmet sich das Velomuseum der Entwicklung des Fahrrads. Zu sehen sind vierzig Fahrräder aus wichtigen Epochen sowie ein Nachbau der 1817 von Karl Drais entwickelten Laufmaschine. Das Museum ist rollstuhlgängig. Das Dorfmuseum zeigt historische Gegenstände, die überwiegend aus Nunningen oder der näheren Umgebung stammen. Sammlungen erinnern an den Basler Bischof Dr. Anton Hänggi und den Heimatdichter Dr. h. c. Albin Fringeli. Das Dorfmuseum ist am ersten Sonntag des Monats von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, ausser im Juli und August. Prüfen Sie die Öffnungszeit vor Ihrem Besuch.
Im Bezirk sind alemannische Bräuche wie Fasnacht, Scheibenschlagen und Kätheriejagen bis heute lebendig. Einen weiteren Einblick in den lokalen Jahreslauf bietet der Nunninger Herbstmarkt: Er findet seit 1987 jedes Jahr am Samstag vor dem Bettag statt. An den Marktständen gibt es handgemachte Lebensmittel, Gestricktes, Genähtes und Kunsthandwerk; zum Angebot gehören ausserdem eine Kaffeestube, ein Raclettestübli und ein Grillstand.
Wandern zwischen Fels, Wald und Aussicht
Das Gebiet Riedberg-Chäppeli–Nunningerberg ist als kantonales Naturreservat ausgewiesen. Am Übergang des Chäppeliwegs über den Riedberggrat liegt die kleine St.-Wendelin-Kapelle in einem Kreten-Föhrenwald. Vom Südgrat des Riedberggebiets reicht der Blick nach Süden zum Hirnichopf, zum Oberschattenberg und bis zu den Ausläufern des Passwangs. Feucht-schattige Stellen der Kalkfelsabstürze bieten der Gekerbten Jura-Haarschnecke, einem Endemiten des zentralen Juras, Lebensraum.
Die Wanderung Nunningerberg–Stierenberg führt durch artenreiche Magerweiden und Bergwälder. Bei klarem Wetter reicht die Aussicht bis in die Alpen. In Nunningen beginnt der Waldlehrpfad bei der Nunningerberghütte; zu Fuss dauert er etwa eine Stunde. Der Vitaparcours beginnt und endet in Barren und ist 2,7 Kilometer lang, mit 80 Höhenmetern.
Für unterschiedliche Tourenpläne bieten die beschriebenen Wanderungen klare Vergleichspunkte: Die Route zum Welschgätterli zwischen Grindel und Erschwil ist 11,1 Kilometer lang, dauert 3 Stunden und 40 Minuten und gilt als mittelschwer. Ihre Saison ist Mai bis Oktober. Die Familienwanderung «Auf der Flue oberhalb Kleinlützel» ist 7,1 Kilometer lang, dauert etwa 2 Stunden und 5 Minuten und ist als leicht eingestuft; ihre Saison reicht von April bis Oktober. Der Ausgangspunkt «Grindel, Oberdorf» ist mit dem Bus ab dem Bahnhof Laufen erreichbar. Vom Endpunkt «Erschwil, Dorf» fährt ein Bus zum Bahnhof Zwingen. Prüfen Sie die Verbindungen vor der Reise.
Im Kaltbrunnental verläuft eine Wanderung für die ganze Familie von der Meltingerbrücke bis nach Grellingen. Nahe dem Ende dieser Route liegt das militärhistorische Denkmal Wappenfelsen beim Chessiloch. Im Gebiet Chaltbrunnental-Brislachallmet vermittelt ausserdem ein Karstwanderweg typische Wasserwege in Kalkgebieten sowie wichtige Höhlen- und Karsterscheinungen. Eine weitere Route führt über aussichtsreiche Wege zur Ruine Neu-Thierstein und weiter in Richtung Büsserach; der Gratabschnitt über die Chemmiflue erfordert Trittsicherheit und Konzentration.
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