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Zwei Kapellen, ein historischer Zeitbezug und der nationale Radweg Nr. 35 geben Großfürwitz (Vrbice) mehrere konkrete Anknüpfungspunkte. Die Kapelle St. Anna steht im Ortszentrum, während die Kapelle „Vrbice - kaple“ rund 300 m südlich des Dorfes liegt. Zusammen zeigen sie unterschiedliche räumliche und historische Bezugspunkte. Der durch Vrbice verlaufende Radweg ergänzt den Blick um einen zweiten Schwerpunkt. So kann die Wahl eines Aufenthalts daran anknüpfen, ob Baugeschichte oder Radfahren im Vordergrund stehen soll.

St. Anna im Dorfzentrum

Die Kapelle St. Anna wurde 1893 von der Gemeinde ohne kirchliche Genehmigung errichtet. Sie steht im östlichen Teil des Dorfplatzes im Zentrum von Vrbice. Vor der westlichen Eingangsfassade ist mittig ein prismatischer Glockenturm angebaut. Diese Orts- und Baumerkmale geben eine konkrete Orientierung: Die Lage ordnet St. Anna im Dorf ein, der Turm bezeichnet ein markantes Element der westlichen Fassade.

Im Inneren verfügte die Kapelle über einen pseudoromanischen Altar mit einem Gemälde der heiligen Anna sowie Skulpturen des heiligen Joachim und des heiligen Josef. Die Stilbezeichnung „pseudoromanisch“ bezieht sich auf den Altar und ist von der äußeren Architektur zu unterscheiden. Die Kapelle wird gelegentlich für Gottesdienste genutzt. Das Altarbild zeigt die heilige Anna, während Joachim und Josef durch Skulpturen vertreten waren: Die historische Ausstattung vereinte so ein Gemälde und zwei plastische Heiligendarstellungen.

Die Kapelle „Vrbice - kaple“

Die pseudostilistische Kapelle „Vrbice - kaple“ wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an einer Wegkreuzung auf der rechten Seite der Straße nach Bošov errichtet. Sie entstand an der Stelle eines älteren Kreuzes. Damit unterscheidet sich ihr Standort von St. Anna am Dorfplatz: Hier bestimmen die Wegkreuzung und die Straße den Ortsbezug, dort das Zentrum des Dorfes.

Die Fassade besitzt eine plastisch ausgeführte blinde Spitzbogenarkade und volkstümlichen Dekor. Eine blinde Arkade ist ein Bogenmotiv ohne offenen Durchgang; die plastische Ausführung gibt diesem Merkmal eine eigene Form an der Fassade. Zusammen mit dem volkstümlichen Dekor bietet sie einen anderen architektonischen Zugang als der prismatische Glockenturm von St. Anna. Die beiden Kapellen lassen sich so anhand ihrer konkreten Baumerkmale unterscheiden, ohne sie zu einer einheitlichen Bauform zusammenzufassen.

Ortsgeschichte und Radweg

Die älteste historisch erhaltene Erwähnung der Gemeinde Vrbice stammt aus dem Jahr 1384. Sie bietet einen zeitlichen Bezugspunkt, der weit vor den Bauzeiten der beiden Kapellen im 19. Jahrhundert liegt. Bei St. Anna ist das Baujahr 1893 überliefert; für „Vrbice - kaple“ wird die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts genannt. Diese zeitliche Gegenüberstellung verbindet die Geschichte der Gemeinde mit zwei unterschiedlichen Baugeschichten, ohne die Erwähnung von 1384 mit der Entstehung der Kapellen gleichzusetzen.

Der nationale Radweg Nr. 35 verläuft durch Vrbice. Für Reisende, die ihren Aufenthalt an einer Radroute ausrichten möchten, ist das ein anderer thematischer Ansatz als die Baugeschichte der Kapellen. Die Route ist damit ein konkreter Grund, Großfürwitz auch unter dem Blickwinkel des Radfahrens in die Reiseplanung einzubeziehen; die Kapellen bieten dazu einen kulturgeschichtlichen Schwerpunkt im Ort.

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