Ein Sentè aus dem Jahr 1905 setzt in Carmagnola einen besonderen Akzent: Das Ecomuseo della Cultura della Lavorazione della Canapa vermittelt die Verarbeitung von Hanffasern mit praktischen Vorführungen und einer Ausstellung von Werkzeugen. Unter einer langen Überdachung bewahrt es den noch bestehenden Sentè. Zugleich vermittelt das Ecomuseo die Kultur der Hanffaserverarbeitung und Seilherstellung, einer der ältesten handwerklichen Tätigkeiten im Gebiet von Carmagnola.
Handwerk, Druck und Sammlungen
Auch das Museo Tipografico Rondani gibt Einblick in eine lange Handwerkstradition: Seine vollständig aus Carmagnola stammenden Bestände dokumentieren fünf Jahrhunderte Drucktätigkeit. Sie sind insbesondere mit der historischen Tipografia Scolastica der Familie Rondani verbunden. Zum Bestand gehören Druckmaschinen und Druckausrüstung, Bücher und Druckblätter, Holzschnitt- und Kupferdruckmatrizen, Dokumente sowie verschiedene Erinnerungsstücke zur Druckkunst.
Das Museo Civico di Storia Naturale bewahrt wissenschaftliche Sammlungen von Mineralien, Pflanzen und Tieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Insekten, Reptilien und Vögeln. Das Museum ist für Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Im Museo Civico Navale stehen maritime Kultur und die Rolle Carmagnolas als deren Zentrum im Mittelpunkt der Sammlung und der damit verbundenen Initiativen. Für Besucherinnen und Besucher mit Sehbeeinträchtigungen befindet sich im Eingangsbereich eine taktile Audiokarte.
Synagoge, Abtei und Kirchenkunst
Die Sinagoga von Carmagnola ist ein besonders repräsentatives Beispiel für eine piemontesische Synagoge aus der Ghettozeit. Ihr barocker Innenraum stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Erdgeschoss gehört die didaktische Ausstellung „Parole, immagini, oggetti e architetture delle sinagoghe piemontesi“ zum Ort. Sie widmet sich piemontesischen Synagogen und ergänzt die architektonische Perspektive um Bilder, Gegenstände und Inhalte zur Baukunst.
Die um 1150 gegründete Abbazia Santa Maria di Casanova ist trotz späterer barocker Umgestaltungen eines der frühen Beispiele der Gotik im Piemont. Das Museo di Arte Sacra dell’Abbazia di Casanova zeigt eine bedeutende Sammlung von Reliquien, liturgischen Ausstattungsgegenständen und liturgischen Gewändern, die Lodovico Salvi del Pero gestiftet hat. Der Museumsbesuch kann mit einem Besuch der Abteikirche und der Krypta verbunden werden und wird von Freiwilligen der Associazione Amici dell’Abbazia di Casanova geführt.
Eine weitere historische Perspektive bietet die Chiesa Collegiata dei SS Pietro e Paolo. Sie wurde zwischen 1492 und 1514 von dem Architekten Giorgino Costanza di Costigliole erbaut. In der Kirche befindet sich die außerordentlich reich dekorierte Cappella dell’Immacolata Concezione.
Der Bosco del Gerbasso
Mit dem Bosco del Gerbasso kommt ein Naturthema hinzu: Der Wald ist ein didaktisches Beispiel für den alten Auenwald der Po-Ebene, der einst die gesamte Pianura Padana bedeckte. Er erstreckt sich über 19 Hektar und umfasst einen Weidenbestand, einen Eichen-Hainbuchen-Wald sowie eine Wiesenfläche. Die benannten Landschaftselemente machen den Ort zu einem anderen Schwerpunkt als die Sammlungen und historischen Bauwerke Carmagnolas.
Für die Planung können Sie auch die unterschiedlichen Vermittlungsformen berücksichtigen: Im Ecomuseo gibt es praktische Vorführungen, an der Sinagoga eine didaktische Ausstellung und in Casanova einen geführten Museumsbesuch, der mit Kirche und Krypta verbunden werden kann. So lässt sich die Auswahl nach dem Thema und der Art des Besuchs ausrichten, die Sie in Carmagnola besonders interessiert.
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