Ein nacheiszeitlicher Bergsturz unterhalb des Pizzet staute das Tal und ließ den Lagh de Cama entstehen. Das Naturschutzgebiet Val Cama–Val Leggia–Val Grono umfasst 26 verschiedene Waldgesellschaften. Das Waldreservat erstreckt sich über 15 Quadratkilometer, von 450 Metern über dem Meer bis zur Waldgrenze auf 2.200 Metern. Das Gebiet des Val Cama ist zudem mit einem der größten Waldreservate der Schweiz verbunden. Natur und Ortsgeschichte geben einem Aufenthalt in Cama unterschiedliche Schwerpunkte: Bergwege und See stehen neben Grotti, Kirchen und der Burg Norantola.
Waldreservat und Bergsee
Das Val Cama ist nur zu Fuß erreichbar. In Ogreda liegt am Waldrand ein Parkplatz am Ausgangspunkt des Val-Cama-Wegs. Die Route durch das Waldreservat beginnt in Ogreda und erreicht nach einem anspruchsvollen Aufstieg den auf 1.200 Metern gelegenen Lagh de Cama. Vom Parkplatz steigt der Weg zum Lagh da Cama etwa drei Stunden lang steil an. Prüfen Sie vor einer Tour die örtlichen Wegbedingungen.
Auch die Beschreibungen der weiteren Wege setzen unterschiedliche Akzente. Der Fußweg von Cama zum Laghetto di Cama dauert etwa zweieinhalb Stunden. In der warmen Jahreszeit ist der See zu Fuß erreichbar; nach dem Aufstieg kann man dort baden. Das Laghetto di Cama liegt in einem mächtigen, von hohen Bergen umgebenen Bergamphitheater. Wer sich für Trailrunning interessiert, findet außerdem eine Route mit anspruchsvollem Treppenaufstieg von Cama nach Provesc. Danach steigt sie sanfter zur Alp di Besarden und zum See von Val Cama an.
Für die Anreise nach Cama bestehen stündliche Postautoverbindungen von Bellinzona und Thusis, wo Zugverbindungen anschließen. So lässt sich die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln planen; im Val Cama selbst ist man zu Fuß unterwegs.
Grotti, Käse und Bergkultur
Die Siedlung Grotti di Cama liegt in einem Kastanienwald und besteht aus 46 Grotti. Sie sind natürliche Keller, in denen Luftströmungen aus Felsspalten seit der Antike zur Aufbewahrung von Lebensmitteln genutzt werden. Die Siedlung umfasst fünf Bautypen und gilt als Beispiel volkstümlicher Architektur, die ohne formale architektonische Planung entstand. Alle Grotti wurden innerhalb von fünf Jahren geborgen und mit den ursprünglichen Bautechniken restauriert.
Im historischen Ortskern werden Führungen mit der Fondazione Cultura e Territorio di Cama angeboten. Drei Grotti sind als Restaurants für die Öffentlichkeit geöffnet; informieren Sie sich vor einem Besuch über die Öffnungszeiten. Die Grotti verbinden damit bauliche Geschichte und lokale Esskultur, ohne dass die Kellerfunktion mit dem heutigen Restaurantangebot gleichzusetzen ist.
Auf der Alp de Lagh grasen die Graue Ziege, das Rätische Grauvieh und das Engadinerschaf sowie weitere alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Die Alp ist für Ziegenmilchkäse bekannt, der in einem natürlichen Steinkeller reift. Auf ihrer rustikalen Terrasse mit Blick auf den Cama-See werden Kaffee, hausgemachter Kuchen und Käseplatten angeboten. Das Angebot kann saisonal sein oder sich ändern; fragen Sie vor dem Besuch nach.
Eine weitere kulturhistorische Verbindung schafft die Via dei Crotti: Sie verbindet das Cama-Tal mit dem Val Bodengo, das nach Gordona weiterführt. Der Weg wurde ab dem 19. Jahrhundert mehr oder weniger kontinuierlich für den grenzüberschreitenden Schmuggel zwischen Italien und der Schweiz genutzt. Zwischen Gallina und Besarden führt außerdem ein erneuerter Weg an ehemaligen Kohlenmeilern vorbei. Reste von Holzkohle- oder Herdstellen sind dort noch sichtbar.
Kirchen und Burg Norantola
Im Herzen von Cama steht die barocke Pfarrkirche San Maurizio, die erstmals 1219 in historischen Dokumenten erwähnt wurde. Im Laufe der Zeit wurde sie mehrfach verändert, unter anderem durch den Bau des Chors und die Erweiterung des Kirchenschiffs. Die San-Luzio-Kirche wurde 1633 geweiht. Zu ihren überlieferten Merkmalen gehören ein quadratischer Chor mit Kreuzgratgewölbe, bemalte Tafeln eines spätgotischen Altars von 1510 und Stuckarbeiten aus dem Jahr 1660.
Die mittelalterliche Burg Norantola stammt aus einer Zeit vor dem 12. Jahrhundert und liegt auf dem Gemeindegebiet von Cama. Ihre Ruinen sind zu Fuß oder mit dem Auto erreichbar. Arbeiten zwischen 1989 und 1996 dienten der Konsolidierung der Befestigung. Prüfen Sie die Zugangsbedingungen vor der Anfahrt.
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