Menzingen verbindet Dorfgeschichte mit einer von der Eiszeit geprägten Landschaft. Für die Orientierung helfen unterschiedliche Themen: Rundgänge führen zu Bildungsbauten, zur Wasserversorgung und zur Entwicklung des Dorfs; Aussichtspunkte und Findlinge lenken den Blick auf die weitere Umgebung. Auch bei den Wegen gibt es verschiedene Schwerpunkte, vom etwa 40-minütigen Klimaweg bis zu Wanderungen mit weiten Ausblicken.
Moränenlandschaft und Aussichtspunkte
Der Wilersee ist ein kleiner See mit einer Oberfläche von drei Hektaren. Er liegt in der Moränenlandschaft von Menzingen und entstand nach der letzten Eiszeit als Toteissee in einer abflusslosen Geländemulde. Das nahe Einzugsgebiet wurde 1993 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Heute ist der Wilersee wieder mesotroph, also ein Gewässer mit mittlerem Nährstoffgehalt, und erfüllt die Gewässerschutzziele. Auch die abwechslungsreiche Hügellandschaft von Menzingen ist von nationaler Bedeutung und wurde vom Bund unter Schutz gestellt.
Eine andere Spur der Eiszeit zeigen die Findlinge im Garten auf dem Gubel. Sie wurden vor etwa 20.000 Jahren abgelagert, als der Muota-/Reussgletscher und der Linthgletscher zwischen Menzingen und Neuheim zusammenflossen. Der Findlingsgarten liegt vor dem Restaurant Gubel. Vom Gubel reicht der Rundblick über das Zugerland: von der Moränenlandschaft über den Zugersee bis zur Rigi. Dort steht auch das 1851 gegründete Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf.
Ein weiterer Aussichtspunkt ist das Bellevue auf dem Gottschalkenberg. Von dort geht der Blick auf der einen Seite zur Zürichseegegend und auf der anderen zum Glarner Alpenpanorama. Die Wanderung von Raten nach Menzingen bietet ebenfalls weite Sicht: unterwegs sind die Alpen, große und kleine Seen sowie die Städte Zürich und Zug zu sehen.
Wege mit unterschiedlichen Themen
Der 2020 eingeweihte Bildungsweg Menzingen ist ein Rundgang im Dorfbereich. Er vermittelt Grundinformationen zu den noch bestehenden Bildungsbauten. Beim Wasserweg Menzingen steht dagegen die lokale Wasserversorgung im Mittelpunkt: Er erklärt, welche Stationen das Wasser von der Fassung bis zum Wasserhahn durchläuft.
Ein Dorfrundgang zeigt anhand alter Fotografien, wie sich das Dorf und besonders das Gewerbe entwickelt haben. An ausgewählten Stationen geht es außerdem um alte Bräuche und Eigenheiten, verschwundene Wirtshäuser, die Franzosenzeit sowie Sagen und Legenden. So lässt sich Dorfgeschichte nicht nur über Gebäude, sondern auch über frühere Lebensweisen und Erzählungen erschließen.
Der Klimaweg auf dem Gottschalkenberg ist ein zwei Kilometer langer Rundweg mit zehn Stationen und dauert etwa 40 Minuten. Für diesen Weg ist damit ein konkreter Zeitrahmen angegeben. Die Wanderung Moränenstürmer beginnt an der Bushaltestelle Menzingen, Institut/Bernardaplatz. Ein weiterer Themenweg, der Gschichtli-Weg Menzingen, ist ein Hörspiel-Spaziergang für Kinder von vier bis zehn Jahren. Die Angebote unterscheiden sich somit sowohl nach Thema als auch nach ihrer ausdrücklich genannten Ausrichtung.
Zum Wandern und Spazieren kommen in Menzingen Möglichkeiten zum Reiten, Biken und für Wintersport. Wer eine längere Wanderung betrachtet, kann die Route von Raten nach Menzingen mit ihren Ausblicken auf die Alpen, Seen und Städte in den Blick nehmen; für einen zeitlich umrissenen Rundgang bietet sich der Klimaweg als Vergleich an. Die beiden Wege sind durch unterschiedliche Angaben charakterisiert: Für den Klimaweg sind Länge und ungefähre Dauer genannt, für die Wanderung von Raten nach Menzingen die Landschaft und ihre Aussichten.
Dorfgeschichte und Zeitgeschichte
Die heutige Kirche St. Johannes der Täufer wurde zwischen 1620 und 1637 erbaut. Ihr Hochaltargemälde gilt als eine der bedeutendsten Schöpfungen eines zugerischen Malers überhaupt. Es wurde wohl vom Menzinger Maler Seraphin Schön in Kroatien geschaffen. Baugeschichte und Gemälde geben dem Kirchenbesuch damit zwei unterschiedliche historische Bezugspunkte: die Entstehungszeit des heutigen Gebäudes und die mögliche Herkunft des Kunstwerks.
Eine andere Art von Geschichte zeigt die Bloodhound-Anlage Gubel. Sie ist die einzige erhaltene von sechs Lenkwaffenstellungen des britischen Typs Bloodhound Mark II im Schweizer Mittelland; die Stellungen wurden bis 1999 ohne Unterbruch in Bereitschaft gehalten. Zu sehen sind unter anderem das Zielbeleuchtungsradar, Lenkwaffenwerfer mit geladenen Lenkwaffen, ein Kommandobunker mit Einsatzstelle, Dieselaggregate für die Stromversorgung, Lenkwaffenmagazine, eine Schnittlenkwaffe und ein Einsatzsimulator.
Winterangebote und Einkehr
Im Winter gibt es in Menzingen präparierte Loipen und Skiwanderwege. Die Schurtannen-Loipe ist sowohl für den klassischen Stil als auch für Skating gespurt. Das Skiliftgelände am Lindenberg ist in Bereiche für Abfahrt, Fun und Schlittenfahren unterteilt. Da diese Angebote saisonal geprägt sind und die Bedingungen variieren können, empfiehlt es sich, die aktuellen Verhältnisse vor dem Besuch zu prüfen.
Verschiedene Restaurants gibt es sowohl im Dorf Menzingen als auch an lohnenden Ausflugszielen innerhalb der Gemeinde. Das kann bei der Tagesplanung eine Rolle spielen, ob der Schwerpunkt auf einem Dorfrundgang, einer Wanderung oder einem Ziel in der Landschaft liegt.
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