Chieti liegt auf einem 330 Meter hohen Hügel und eröffnet Ausblicke auf das Meer und die umliegenden Berge. Im kompakten historischen Zentrum führen alte Straßen an Denkmälern, Kirchen, Plätzen und historischen Geschäften vorbei. Wer die Stadt zu Fuß erkundet, begegnet dabei unterschiedlichen Zeitschichten: von römischen Anlagen und Kultorten bis zu Museen, die Kunst, Wissenschaft und regionale Geschichte in den Blick nehmen.
Römische Spuren und die Geschichte der Marruciner
Das Amphitheater della Civitella stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und diente Gladiatorenkämpfen. Seine elliptische Form ist noch erkennbar; erhalten sind Teile der Arenamauer und der Ehrentribüne. Auf dem Gipfel der Akropolis des antiken Chieti befindet sich das Museo Archeologico Nazionale La Civitella. Seine Funde veranschaulichen die Entstehung und Entwicklung der Stadt anhand von Objekten aus dem einst von den Marrucinern bewohnten Gebiet.
Drei Museumsrundgänge tragen die Titel „L’inizio della storia urbana“, „Da Roma a ieri“ und „La terra dei Marrucini“. Schon diese unterschiedlichen Bezugspunkte verbinden Stadtentwicklung, römische Geschichte und das Land der Marruciner. Ein weiterer antiker Kultort sind die Tempietti Romani: Sie gelten als ältester Kultort Chietis und bestehen aus drei benachbarten Tempeln. Wahrscheinlich wurden sie in einem Gebiet errichtet, das bereits im 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus zur Verehrung von Gottheiten genutzt wurde.
Auch unter dem heutigen historischen Zentrum liegt mit Chieti Sotterranea eine unterirdische Stadt. Dort ist ein System aus Zisternen und Tunneln teilweise erhalten; einige unterirdische Räume dienten während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker. Die Terme Romane stammen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und liegen im östlichen Teil der Stadt. Zum archäologischen Erbe zählt außerdem ein Mosaikbild mit dem Dreizack Neptuns, einem Delfin und zwei Hippokampen. Zu den wichtigen Fundstücken in Chieti gehört der Guerriero di Capestrano: Die lebensgroße Statue aus dem 6. Jahrhundert vor Christus stellt einen König der Vestiner in militärischer Tracht dar.
Museen zwischen Kunst, Geschichte und Wissenschaft
Das Museo Archeologico Nazionale d’Abruzzo dokumentiert die Kultur des antiken Abruzzo von der Vorgeschichte bis zur späten Kaiserzeit. Seine numismatische Sammlung umfasst Münzen aus dem 4. bis 19. Jahrhundert. Zum Museum gehört außerdem eine spezialisierte Bibliothek mit etwa 13.000 Bänden. Damit stehen hier lange Zeiträume und sehr unterschiedliche Arten historischer Zeugnisse nebeneinander.
Im aus dem 17. Jahrhundert stammenden Palazzo Martinetti ist das Museo D’Arte Costantino Barbella untergebracht. Seine fünf Bereiche umfassen Gemälde, Skulpturen von Barbella, Arbeiten auf Papier, Gemälde des Premio Michetti und Keramiken aus Castelli. Zu den Kunstwerken zählen Tafeln aus dem 15. Jahrhundert, neapolitanische Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie Werke der abruzzischen Künstler Cascella und Michetti. Das Museo Diocesano Teatino bewahrt historisch-künstlerisches Material aus dem Palazzo Comunale, der Cattedrale di San Giustino und weiteren Kirchen des Diözesangebiets. Zu sehen sind Kunstwerke und liturgische Ausstattungsstücke aus dem 13. bis 16. Jahrhundert.
Einen anderen Zugang eröffnet das Museo Universitario d’Annunzio. Das wissenschaftliche Museum widmet sich Naturwissenschaften und Wissenschaftsgeschichte ebenso wie biologischen, medizinischen, archäologischen, anthropologischen und paläontologischen Themen. Es erstreckt sich über mehr als 1.500 Quadratmeter auf drei Etagen und ist in zwölf Bereiche gegliedert.
Kirchen, Theater und Gärten
Die Cattedrale di San Giustino besitzt drei durch Säulen getrennte Schiffe, die in drei Apsiden enden. Das Mittelschiff ist von einem lunettierten Tonnengewölbe überdeckt. In der Krypta werden die Reliquien des Heiligen bewahrt; ihre Bauweise ist schlicht und mittelalterlich. Das Teatro Marrucino wiederum erzählt ein jüngeres Kapitel der Stadtgeschichte: Es wurde von 1813 bis Dezember 1817 auf den Umfassungsmauern der ehemaligen entweihten Kirche S. Stefano e S. Ignazio errichtet.
Grün gestaltete Wege bietet die Villa Comunale mit mehreren terrassierten Ebenen, italienischen Gärten, einem kleinen Wald, beleuchteten Teichen, Wegen und Steinbrücken. Zu der Anlage gehört auch eine kleine, vom Wasser umgebene Halbinsel für kleinere Aufführungen. Hier befindet sich das von Pietro Canonica geschaffene Monumento ai Caduti della Guerra 1915–18. Der Giardino dei Semplici ist während der Öffnungszeiten der Universität frei und kostenlos zugänglich; prüfen Sie die Öffnungszeiten vor Ihrem Besuch.
Anreise und Orientierung
Das kompakte historische Zentrum lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Für die Anreise mit der Bahn ist Chieti über die Strecke Pescara–Rom erreichbar; mehrere Regionalbahnlinien verbinden die Stadt unter anderem mit Teramo und Sulmona. Prüfen Sie vor der Abfahrt die aktuellen Verbindungen. Wer aus dem Norden anreist, kann die Autobahn A14 Bologna–Bari bis zur Ausfahrt Pescara Ovest–Chieti nehmen und anschließend über die SS 656 in Richtung Chieti Centro weiterfahren. Auch diese Straßenverbindung sollten Sie vor der Reise überprüfen.
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